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Was ist der Unterschied zwischen Asylsuchenden und Flüchtlingen?

Asylsuchende sind Person, die ihr Land oder ihre Herkunftsregion verlassen haben, um Sicherheit und Schutz zu suchen. Gründe, warum Menschen flüchten sind in der Regel Krieg, Verfolgung oder Naturkatastrophen. Asylsuchende können den Hochkommissar für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) oder die Regierung des Landes, in dem sie sich befinden, um Schutz ersuchen. Wenn ihre Anträge erfolgreich sind, werden sie als Flüchtlinge anerkannt und es werden ihnen Schutz und Niederlassungsrechte gewährt.

Was ist die Definition eines Flüchtlings?

Laut der Definition der Genfer Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen von 1951 gilt als Flüchtling jemanden, der "aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung, sich ausserhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will“.

Was ist die Genfer Flüchtlingskonvention?

Das Abkommen von 1951 über die Rechtsstellung von Flüchtlingen gibt darüber Auskunft, wer ein Flüchtling ist, welche Rechte sie haben und was die rechtlichen Verpflichtungen von Staaten sind. Das ursprüngliche Dokument wurde als Folge von Ereignissen des Zweiten Weltkries verfasst, um europäischen Flüchtlingen Schutz zu gewähren. Das Zusatzprotokoll von 1967 entfernt geographische und zeitliche Einschränkungen und gibt der Konvention somit universelle Geltung. 165 Länder haben die Konvention von 1951 unterzeichnet, während 164 Länder auch die Protokolle von 1967 unterzeichnet haben.

Was bedeutet es, die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet zu haben?

Wenn die Regierung eines Landes die Konvention unterzeichnet, übernimmt es die Verpflichtung, Menschenrechtsstandards in nationales Recht einzubeziehen. Dazu gehört, dass es Asylsuchenden erlaubt ist, auf jegliche Art und Weise einzureisen (per Flugzeug, auf dem Landweg oder per Schiff, mit oder ohne gültiges Visum), um Schutz zu suchen. Das Non-Refoulement Prinzip verbietet die Ausweisung oder Rückschiebung einer Person, wenn gewichtige Gründe für die Annahme vorliegen, dass die betreffende Person im Zielland einem ernsthaften Risiko ausgesetzt sein würde.

Welche Rolle spielt UNHCR?

Das Amt des Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR) wurde am 14. Dezember 1950 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen gegründet. Der UNHCR leitet und koordiniert internationale Maßnahmen zum Schutz von Flüchtlingen, ihrer Rechte und ihres Wohlbefindens. Das Ziel ist es sicherzustellen, dass Menschen in ernsthafter Gefahr ihr Recht auf Asyl einfordern können und sichere Zuflucht in einem anderen Land oder einer anderen Region finden. Der UNHCR fördert dauerhafte Lösungen, darunter die dauerhafte Neuansiedlung in einem Drittstaat (Resettlement), die Integration in einem Erstasylland (Erstansiedlung) oder die freiwillige Rückkehr und Wiedereingliederung im Heimatland.

Wie bekommt man Flüchtlingsstatus?

Asylsuchende unterbreiten die Gründe ihrer Flucht und präsentieren Beweise für die Umstände, von denen sie zu entkommen versuchen. Jedes fünfte Asylgesuch wird vom UNHCR, der Rest von unabhängigen Staatsregierungen bearbeitet. Das Asylverfahren besagt, dass Asylsuchende durch geschultes Personal befragt werden und Zugang zu einem Dolmetscher haben müssen. Wenn ein Antrag abgelehnt wird, sollten Rechtsmittel der Berufung zur Verfügung gestellt werden. Dies ist aber nicht in allen Ländern der Fall.

Was ist gemeint mit "Vertriebenen"?

Vertreibung bezieht sich auf die Schicksale von Menschen, die ihre Heimat – im Gegensatz zu MigrantInnen – überstürzt und ungewollt verlassen müssen. Gründe dafür können bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, Hungersnöte oder politische und wirtschaftliche Veränderungen sein. Nicht alle Menschen, die vertrieben wurden, sind Flüchtlinge. Alle Flüchtlinge sind jedoch vertrieben worden.

Was bedeutet es, staatenlos zu sein?

Für die meisten Menschen gilt es als selbstverständlich, mit einer nationalen Identität geboren zu sein. Die Zugehörigkeit zu einer Nation bietet eine Heimat, den Schutz der Regierung, das Recht auf einen Reisepass und Identifikation und Zugang zu Dienstleistungen wie Gesundheit, Beschäftigung, Bildung und soziale Sicherheit. Der UNHCR schätzt, dass mindestens 10 Millionen Menschen auf der ganzen Welt keine Staatsangehörigkeit besitzen. Diese Menschen werden als Staatenlose bezeichnet. The World’s Stateless Report  schätzt die präzisere Zahl auf über 15 Millionen. Staatenlosigkeit kann auftreten aufgrund neuer Grenzziehungen, Entkolonialisierung, Lücken im Staatsangehörigkeitsrecht, Geburt eines Kindes mit Eltern unterschiedlicher Nationalität, fehlenden Zugangs zu Geburtsurkunden und Diskriminierung bestimmter ethnischer Gruppen. Viele Staatenlose leben in Ländern wie Nepal, Myanmar, Thailand, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Syrien, der Elfenbeinküste, Simbabwe, Dominikanische Republik, den Balkanstaaten und der ehemaligen Sowjetunion.

Was sind internationale Menschenrechte?

Die internationalen Menschenrechte sind Grundrechte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 festgelegt wurden. Im Laufe der Zeit wurden diese grundlegenden bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte durch die Internationale Charta der Menschenrechte und andere wichtige Menschenrechtsverträge, sowie durch Völkergewohnheitsrecht in Menschenrechtsnormen umgesetzt. Staaten, die diese Dokumente unterzeichnen, sind verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren, indem sie innerstaatliche Rechtsvorschriften umsetzen, die ihr Volk schützen.

Was ist Menschenhandel?

Im Gegensatz zu Menschenschmuggel, bezeichnet Menschenhandel die unfreiwillige Bewegung von Menschen über Grenzen hinweg. Gewalt, Zwang, Entführung, Betrug, Täuschung und Machtmissbrauch sind Mittel, mit denen die Opfer manipuliert werden. Ausbeutung der Opfer kommt in Form von Zwangsarbeit, Organentnahme, Prostitution und illegaler Adoption von Minderjährigen vor. Es ist schwierig, ein Land zu finden, das nicht von Menschenhandel betroffen ist, sei es als Ziel-, Transit- oder Herkunftsland.

Wie funktionieren Schlepperbanden?

Generell engagieren Menschen Schlepper aus eigenem Antrieb und mit Zustimmung.  Oft sind jedoch Verbreitung falscher Informationen und Formen der Ausbeutung Teil des Menschenschmuggels. Schlepperbanden sind meist verdeckte, komplexe und vielschichtige Netzwerke, die sich über mehrere Länder ziehen. Anführer verwenden oft falsche Identitäten und verschiedene Telefonnummern und sprechen in der Regel nicht direkt mit den Kunden. Agenten werden eingesetzt, um Logistik und Bezahlung zu regeln. Kunden können ein "pay-as-you-go"-Modell wählen, bei dem sie bei jedem Zwischenstopp bezahlen, oder ein Gesamtpaket mit Vorauszahlung bis zum Zielort. Gesamtpakete können eine unbegrenzte Anzahl Versuche beinhalten, falls der Kunde während der Reise abgefangen werden sollte.

Wo kommen Geflüchtete in Südostasien her?

Die Hauptherkunftsländer sind Afghanistan, Irak, Pakistan, Iran, Myanmar und Sri Lanka. Eine kleinere Anzahl Geflüchtete kommt aus afrikanischen Ländern wie Somalia, Äthiopien und dem Sudan.

Wie sind sie nach Südostasien gekommen?

 Je nach Herkunftsland gelangen Asylsuchende auf unterschiedliche Art und Weise nach Südostasien. Bis vor kurzem konnten IranerInnen beispielsweise bei der Ankunft in Indonesien ein Touristenvisum beantragen, was dazu führte, dass einige Asylsuchende direkt ins Land fliegen konnten. Dies hat sich nun aber geändert und so fliegen weniger Asylsuchende direkt nach Indonesien. Die meisten Menschen durchqueren eine Reihe von Ländern auf dem Weg nach Südostasien. Einige Routen führen durch Pakistan, Indien, nach Thailand, Indonesien oder Malaysia. Ebenfalls abhängig von den Visabedingungen werden Länder offiziell oder mittels Menschenschmuggel durchquert. Viele Asylsuchende kommen in Malaysia an, wo sie einen Schlepper suchen, der sie mit dem Boot nach Indonesien weiter bringt (z.B. nach Sumatra oder auf umliegende Inseln). Einmal in Indonesien, reisen viele Asylsuchende im Inland nach Jakarta, wo sie sich bei UNHCR registrieren. 

Wie finanzieren sie sich und ihre Familien?

Da Geflüchtete in den meisten südostasiatischen Ländern keine Arbeitsrechte haben, ist eine bezahlte Anstellung unmöglich. Sie sind hauptsächlich auf persönliche Ersparnisse oder Darlehen von Verwandten angewiesen, die sie durch Geldtransfers aus dem Ausland erhalten. Gefährdete Personen ohne Ersparnisse oder familiäre Unterstützung können sich für begrenzte finanzielle Unterstützung bei ein paar wenigen humanitären Organisationen bewerben. Alle anderen müssen ganz einfach sparsamer leben, mit weniger Mahlzeiten auskommen und Zimmer mit anderen teilen.

 

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